Ich hatte letztens - und das war nicht das erste Mal - einen Anfall von
Freizeitstress. Meine To-Do-Liste wuchs mir über den Kopf, weil da mehr
drauf stand, als mir freie Zeit zur Verfügung. Kennt ihr das?
Das Lustige ist: Auf Arbeit könnte mir das nicht passieren. Dort fällt
es mir recht leicht, mir ein Zuviel vom Halse zu halten. Aber wenn es um
selbstgemachtes Elend geht, bin ich ganz vorne mit dabei :D Es ist so
eine Mischung aus ein bisschen "Ich muss doch..." und einer großen
Ladung "Ooooh, das ist toll!" Ich bin einfach sehr begeisterungsfähig
und es gibt hunderttausend Dinge, die ich gerne machen möchte. Inspiration ist durch das Internet ja auch permanent gegeben...
Darum Tipp #1: Kenne deine Feinde! Finde heraus, was dazu geführt hat,
dass du dir zu viel aufgeladen hast. Verurteile dich nicht dafür, wir
sind alle nur Menschen!
Es gibt nun zwei Wege, um mit der vollgestopften Freizeit umzugehen.
Entweder man organisiert sich anders oder man lernt einen anderen Umgang
mit seinen inneren Antreibern. Es kommt immer ein wenig darauf an, ob
man sich verzettelt und darum in Stress gerät oder ob man sich wie ich
zu viel aufgeladen hat. Wenn ihr spürt, dass es eigentlich zu viel ist,
dann versucht bitte nicht durch bessere Organisation, positives Denken
oder andere Tools das doch irgendwie in euren Zeitplan zu quetschen... so ist das nicht gedacht. Und ehrlich, das vertagt das Problem allenfalls in die Zukunft. Für mich war wichtig zu
erkennen: Ich
muss gar nicht alles machen, ich
darf mich
aufgabentechnisch reduzieren. Davon geht die Welt nicht unter und mein
Leben wird davon paradoxerweise reicher statt leerer.
Also Tipp #2: Umdenken von "Ich muss/will ganz viel machen" hin zu "Ich darf auch weniger machen" - wahrscheinlich der schwierigste Schritt.
Um das umzusetzen war für mich hilfreich, mir bewusst zu machen, dass
ich analog zur Arbeit auch im Freizeitbereich zu den kleinen Männeln in meinem Kopf Nein
sagen darf, die pausenlos angerannt kommen und sagen: "Boah, das ist toll,
das könntest du noch machen." Oder: "Wenn du das nicht machst, dann
passiert was Schlimmes." Statt dann wie ferngesteuert loszurammeln, darf
man ruhig erstmal prüfen, ob das alles so stimmt und ob man überhaupt
genug Zeit und Energiereserven übrig hat. Und wenn nein, dann... nein.
Kann mitunter Überwindung kosten, aber es lohnt sich.
Darum Tipp #3: Erlaubt euch, Nein zu sagen zu euren eigenen inneren Antreibern.
In diesem Zusammenhang sind die Selbsterkenntnis und die Selbstakzeptanz
auch wichtig. Gerade die sozialen Medien verleiten dazu zu sehen (oder
zumindest zu glauben), dass andere total viel hinbekommen. Und dann
wollen die Kopfgeister das auch. Don't do it! Wir sind wir und nicht die
anderen. Ich zum Beispiel bin eher der Typ lahme Gurke. Ich brauche
viel Erholung, Freiräume und fühle mich schnell gestresst. Nach der
Arbeit bin ich in der Regel k.o., noch dazu bin ich ein Morgenmensch und
nach 16 Uhr sowieso nur noch bedingt zu was zu gebrauchen. Ich glaube,
es ist wichtig, das anzuerkennen. So dass bei mir unter der Woche außer
der Arbeit eben nur das Nötigste wird. Und das ist auch okay, denn der Großteil der Zeit und Energie geht nun mal einfach in die Arbeit.
Tipp #4: Ihr habt eure individuellen Grenzen und Rahmenbedingungen. Ihr
könnt mit ihnen Frieden schließen. Das ist okay. Was die anderen machen, hat nichts mit euch zu tun.
Als nächsten Schritt hab ich mir alles, was ich so in meiner Freizeit
treibe, auf ein Blatt Papier geschrieben. Also wirklich alles, von
Haushalt über Sport über soziale Aktivitäten bis hin zu Hobbys. Das war
eine ganze Menge, das Blatt war dann jedenfalls voll :P Danach habe ich
diese Dinge in vier Kategorien unterteilt und farbig markiert:
- Muss
ja - was halt getan werden muss... Haushalt z.B. und Arbeit
- Möchte ich unbedingt
beibehalten - Dinge, die mir persönlich grundlegend wichtig sind, um überhaupt jetzt und langfristig zu funktionieren, also Sport, Schlaf, gesunde Ernährung
- Möchte ich gerne
beibehalten - das ist dann der optionale Bereich wie Hobbys, Leute treffen, etc.
- Kann weg :D
Ich gebe zu, in der letzten Kategorie ist nur eine Sache gelandet. Aber
diese grobe Einteilung hat mir trotzdem viel von dem Stressgefühl
genommen, denn mir ist klar geworden, dass ja gar nicht alles überlebensnotwendig und darüber sooo dringend ist, wie die Kopfgeister immer tun. Wenn ich nun ein halbes
Jahr an einem Schal rumstricke, passiert beispielsweise rein gar nichts. Ich muss gar nicht zu einer Handarbeitsgroßproduktion werden, es ist ja "nur" ein Hobby.
Tipp #5: Schaut, wo eure Prioritäten liegen.
Und so habe ich ein neues Vorgehen entwickelt: Während der Arbeitstage
muss nur das Nötigste, also Sport, gesundes Essen, genug Schlaf, Sachen
für den kommenden Tag vorbereiten, kleine Handgriffe im Haushalt,
spazieren gehen. Außerdem achte ich auf Pausen, z.B. nach dem
Heimkommen, und darauf freue ich mich dann auch. Und an den freien Tagen nehme ich mir jetzt auch deutlich
weniger vor bis hin zu gar nichts. Mal einen Tag einfach vor sich
hinleben und spontan entscheiden, was ich machen will, ist super fürs
innere Gleichgewicht. Wenn ich mich erholt habe, dann kommt die Energie von ganz alleine wieder und dann hab ich auch wieder Spaß an den Dingen. Für mich war auch wichtig zu erkennen, dass es gar
nicht notwendig ist, immer an jedem Tag alles zu machen. Ich muss nicht
stricken UND lesen UND nähen. Ich kann auch heute stricken und morgen lesen und übermorgen nähen. Lieber mal eine Sache eine Weile am Stück machen, als alles nur so husch husch. Das
klingt wahrscheinlich banal, aber wenn man erstmal in so einem
Automatismus drin ist, dann darf man sich ruhig mal daran erinnern.
Tipp #6: Lieber zu wenig vornehmen als zu viel.
Und letzten Endes noch der Hinweis: Veränderungen brauchen Zeit. Und es
wird Rückfälle geben. Ich lande trotz bester Absicht immer mal wieder in
der Stressfalle, denn sobald ich wieder Energie habe, neige ich dazu, mir den Tag von Neuem vollzupflastern :D Das kommt halt vor. Wichtig ist dann für mich, mich
wieder daran zu erinnern, ruhiger zu machen. Dann mach ich meistens erstmal eine
Woche außer dem Überlebensnotwendigsten gar nichts und gönne mir Ruhe vor mir selbst, um wieder runterzukommen.
Tipp #7: Geduld und Nachsicht mit sich selbst schaden nicht.
Tipp #8: Sich an die eigenen Tipps halten auch nicht ;)
Ja, das waren also meine Tipps, wie ich mit Freizeitstress umgehe. Wie
ist das bei euch? Mutet ihr euch in eurer Freizeit auch gerne mal zu
viel zu oder passt das bei euch? Und was sind eure Tricks gegen
Freizeitstress?