Mittwoch, 27. Januar 2016

Wenn weniger mehr ist - oder: Wie ich dem Freizeitstress entkam

Ich hatte letztens - und das war nicht das erste Mal - einen Anfall von Freizeitstress. Meine To-Do-Liste wuchs mir über den Kopf, weil da mehr drauf stand, als mir freie Zeit zur Verfügung. Kennt ihr das?

Das Lustige ist: Auf Arbeit könnte mir das nicht passieren. Dort fällt es mir recht leicht, mir ein Zuviel vom Halse zu halten. Aber wenn es um selbstgemachtes Elend geht, bin ich ganz vorne mit dabei :D Es ist so eine Mischung aus ein bisschen "Ich muss doch..." und einer großen Ladung "Ooooh, das ist toll!" Ich bin einfach sehr begeisterungsfähig und es gibt hunderttausend Dinge, die ich gerne machen möchte. Inspiration ist durch das Internet ja auch permanent gegeben...

Darum Tipp #1: Kenne deine Feinde! Finde heraus, was dazu geführt hat, dass du dir zu viel aufgeladen hast. Verurteile dich nicht dafür, wir sind alle nur Menschen!

Es gibt nun zwei Wege, um mit der vollgestopften Freizeit umzugehen. Entweder man organisiert sich anders oder man lernt einen anderen Umgang mit seinen inneren Antreibern. Es kommt immer ein wenig darauf an, ob man sich verzettelt und darum in Stress gerät oder ob man sich wie ich zu viel aufgeladen hat. Wenn ihr spürt, dass es eigentlich zu viel ist, dann versucht bitte nicht durch bessere Organisation, positives Denken oder andere Tools das doch irgendwie in euren Zeitplan zu quetschen... so ist das nicht gedacht. Und ehrlich, das vertagt das Problem allenfalls in die Zukunft. Für mich war wichtig zu erkennen: Ich muss gar nicht alles machen, ich darf mich aufgabentechnisch reduzieren. Davon geht die Welt nicht unter und mein Leben wird davon paradoxerweise reicher statt leerer.

Also Tipp #2: Umdenken von "Ich muss/will ganz viel machen" hin zu "Ich darf auch weniger machen" - wahrscheinlich der schwierigste Schritt.


Um das umzusetzen war für mich hilfreich, mir bewusst zu machen, dass ich analog zur Arbeit auch im Freizeitbereich zu den kleinen Männeln in meinem Kopf Nein sagen darf, die pausenlos angerannt kommen und sagen: "Boah, das ist toll, das könntest du noch machen." Oder: "Wenn du das nicht machst, dann passiert was Schlimmes." Statt dann wie ferngesteuert loszurammeln, darf man ruhig erstmal prüfen, ob das alles so stimmt und ob man überhaupt genug Zeit und Energiereserven übrig hat. Und wenn nein, dann... nein. Kann mitunter Überwindung kosten, aber es lohnt sich.

Darum Tipp #3: Erlaubt euch, Nein zu sagen zu euren eigenen inneren Antreibern.


In diesem Zusammenhang sind die Selbsterkenntnis und die Selbstakzeptanz auch wichtig. Gerade die sozialen Medien verleiten dazu zu sehen (oder zumindest zu glauben), dass andere total viel hinbekommen. Und dann wollen die Kopfgeister das auch. Don't do it! Wir sind wir und nicht die anderen. Ich zum Beispiel bin eher der Typ lahme Gurke. Ich brauche viel Erholung, Freiräume und fühle mich schnell gestresst. Nach der Arbeit bin ich in der Regel k.o., noch dazu bin ich ein Morgenmensch und nach 16 Uhr sowieso nur noch bedingt zu was zu gebrauchen. Ich glaube, es ist wichtig, das anzuerkennen. So dass bei mir unter der Woche außer der Arbeit eben nur das Nötigste wird. Und das ist auch okay, denn der Großteil der Zeit und Energie geht nun mal einfach in die Arbeit.

Tipp #4: Ihr habt eure individuellen Grenzen und Rahmenbedingungen. Ihr könnt mit ihnen Frieden schließen. Das ist okay. Was die anderen machen, hat nichts mit euch zu tun.

Als nächsten Schritt hab ich mir alles, was ich so in meiner Freizeit treibe, auf ein Blatt Papier geschrieben. Also wirklich alles, von Haushalt über Sport über soziale Aktivitäten bis hin zu Hobbys. Das war eine ganze Menge, das Blatt war dann jedenfalls voll :P Danach habe ich diese Dinge in vier Kategorien unterteilt und farbig markiert:
  1. Muss ja - was halt getan werden muss... Haushalt z.B. und Arbeit
  2. Möchte ich unbedingt beibehalten - Dinge, die mir persönlich grundlegend wichtig sind, um überhaupt jetzt und langfristig zu funktionieren, also Sport, Schlaf, gesunde Ernährung
  3. Möchte ich gerne beibehalten - das ist dann der optionale Bereich wie Hobbys, Leute treffen, etc.
  4. Kann weg :D

Ich gebe zu, in der letzten Kategorie ist nur eine Sache gelandet. Aber diese grobe Einteilung hat mir trotzdem viel von dem Stressgefühl genommen, denn mir ist klar geworden, dass ja gar nicht alles überlebensnotwendig und darüber sooo dringend ist, wie die Kopfgeister immer tun. Wenn ich nun ein halbes Jahr an einem Schal rumstricke, passiert beispielsweise rein gar nichts. Ich muss gar nicht zu einer Handarbeitsgroßproduktion werden, es ist ja "nur" ein Hobby.

Tipp #5: Schaut, wo eure Prioritäten liegen.

Und so habe ich ein neues Vorgehen entwickelt: Während der Arbeitstage muss nur das Nötigste, also Sport, gesundes Essen, genug Schlaf, Sachen für den kommenden Tag vorbereiten, kleine Handgriffe im Haushalt, spazieren gehen. Außerdem achte ich auf Pausen, z.B. nach dem Heimkommen, und darauf freue ich mich dann auch. Und an den freien Tagen nehme ich mir jetzt auch deutlich weniger vor bis hin zu gar nichts. Mal einen Tag einfach vor sich hinleben und spontan entscheiden, was ich machen will, ist super fürs innere Gleichgewicht. Wenn ich mich erholt habe, dann kommt die Energie von ganz alleine wieder und dann hab ich auch wieder Spaß an den Dingen. Für mich war auch wichtig zu erkennen, dass es gar nicht notwendig ist, immer an jedem Tag alles zu machen. Ich muss nicht stricken UND lesen UND nähen. Ich kann auch heute stricken und morgen lesen und übermorgen nähen. Lieber mal eine Sache eine Weile am Stück machen, als alles nur so husch husch. Das klingt wahrscheinlich banal, aber wenn man erstmal in so einem Automatismus drin ist, dann darf man sich ruhig mal daran erinnern.

Tipp #6: Lieber zu wenig vornehmen als zu viel.

Und letzten Endes noch der Hinweis: Veränderungen brauchen Zeit. Und es wird Rückfälle geben. Ich lande trotz bester Absicht immer mal wieder in der Stressfalle, denn sobald ich wieder Energie habe, neige ich dazu, mir den Tag von Neuem vollzupflastern :D Das kommt halt vor. Wichtig ist dann für mich, mich wieder daran zu erinnern, ruhiger zu machen. Dann mach ich meistens erstmal eine Woche außer dem Überlebensnotwendigsten gar nichts und gönne mir Ruhe vor mir selbst, um wieder runterzukommen.

Tipp #7: Geduld und Nachsicht mit sich selbst schaden nicht.

Tipp #8: Sich an die eigenen Tipps halten auch nicht ;)

Ja, das waren also meine Tipps, wie ich mit Freizeitstress umgehe. Wie ist das bei euch? Mutet ihr euch in eurer Freizeit auch gerne mal zu viel zu oder passt das bei euch? Und was sind eure Tricks gegen Freizeitstress?

Kommentare:

  1. Also, für mich aus Kleinkindmamaperspektive klingt das nach Luxusproblem :D (Nicht bös gemeint!) Ich würde so gerne alles mögliche machen, aber es.geht.nicht. Ich kann ja nun nicht alle meine Hobbies auf die "kann weg"-Liste packen. Und ich hasse das. Vor allem, wenn die Planung über den Haufen geworfen wird, weil Kind spontan mal zwei Stunden später ins Bett geht. Ohne Kind klingt es allerdings brauchbar ;-)

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    1. Ich weiß :D Aber vielleicht hilft es dir zu wissen, dass das Leben ohne Kind auch nicht frei von (hausgemachtem) Stress ist? ;) Ich wünsch dir, dass du bald mehr Lücken für dich findest, je älter Kind wird :)

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  2. Mir hat es geholfen in meiner Freizeit konsequent auf To-do-Listen zu verzichten.
    Auch keine will-ich-als-nächstes-Nähen/Stricken Listen. (Wobei ich bei Ravelry dann doch manchmal Rückfälle habe ... Die verflixte Queue!)
    Wenn ich meine vielen möchte-ich-gerns nämlich mal aufgeschrieben habe, werden sie ganz schnell zu wollte-ich-doch-noch! und muss-ich-endlich-mal. Wenn ich die Ideen und Pläne nicht aufschreibe, vergesse ich tatsächlich auch viele wieder. Aber dann waren sie wohl doch nicht so toll und es belastet mich nicht, dass ich nicht dazu komme.

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    1. Das klingt auch gut! Ich habe auch immer meine Ideen aufgeschrieben, um sie eben nicht zu vergessen. Aber der Ansatz "Wenn ich es vergesse, dann wars wohl nicht so wichtig" gefällt mir. Danke dafür :)))

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  3. Ich nehme mir gern "Abende für mich". Können auch gern im Terminkalender landen, damit sie nicht versehentlich anderweitig verplant werden. Da kann dann richtig schön herumgeschlaumelt werden.

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