Freitag, 2. Februar 2018

Kein Müll - kein Bock?

Wie ihr ja vielleicht wisst, bin ich nicht nur eine Psycho- und Näh-, sondern auch eine Ökotante. Zero Waste ist ein Lifestylebegriff, deren Anhänger nach den Prinzipien Refuse (alles ablehnen, was mit Müll zu tun hat, und bewusst konsumieren), Reduce (Ausmisten), Reuse (Wiederverwenden), Recycle und Rot (Kompositieren) ihren nicht verwertbaren Müll auf Null bzw. zumindest auf ein absolutes Minimum reduzieren oder zu reduzieren gedenken. Und mal ehrlich, wenn man seinen Fokus mal auf die ganzen Verpackungen lenkt, die man schon allein beim Lebensmitteleinkauf anschleppt, und dann bedenkt, dass das Millionen/Milliarden andere Menschen auch so machen, kann einem ganz anders werden...

Vor allem für die Meere ist der Müll ein riesiges Problem, sei es, weil sich die Tiere in dem Zeug verheddern, sich daran verschlucken, oder weil sich Mikroplastik in der Nahrungskette anreichert. Und wer denkt: "Das Meer? Hat ja zum Glück nix mit mir zu tun, ich lebe ja auf dem Festland und esse eh keinen Fisch" - dem sage ich: Schön wärs ;)

Auf der anderen Seite halte ich es für ziemlich utopisch, von sich zu verlangen, von heute auf morgen komplett auf Zero Waste umzusteigen. Eher ist das ein Ideal, dem man sich - und jetzt kommts - so gut es geht (!!) annähern kann. Kleine Schritte sind auch Schritte! Denn je mehr Leute kleine Schritte unternehmen, desto größer der Gesamteffekt. Es muss nicht jeder wie die Hardcore-Zero-Wastler nur noch ein Schraubglas voll Müll pro Jahr produzieren. Es würde ja auch nichts bringen, sich selbst zu überfordern und dann unzufrieden zu sein, denn damit ist am Ende auch niemandem geholfen. Wir wollen immer schön freundlich und rücksichtsvoll sein - mit der Umwelt, anderen UND uns selbst! :) Außerdem ist es nicht nur ein persönliches, sondern auch ein strukturelles Problem. Schön, wenn jemand die Ressourcen und die Zeit hat, sämtliche Artikel seines persönlichen Bedarfs ohne Verpackung zu kaufen. Für die meisten von uns dürfte das aber eher unrealistisch sein.

Aber kein Grund zum Verzweifeln! Als erstes kann man ja mal schauen, was man schon alles tut, um möglichst wenig Müll zu verursachen. Ich z.B. trenne meinen Müll, nehme Stoffbeutel mit zum Einkaufen und habe einen Komposthaufen für organischen Müll. Dadurch merkt man, dass man kein durch und durch umweltschädigender (oder gar schlechter) Mensch ist, sondern durchaus auch Gutes tut, auf dem man aufbauen kann.

Und dann kann man ja schauen, ob es EINE (!) weitere Sache gibt, die zu man seinem umweltfreundlichen Verhalten hinzufügen möchte. Ein paar Ideen gefällig? Aber immer doch!

1. Bewusster einkaufen!
Ich weiß, das ist jetzt sicher hart für manche, aber mal ehrlich: Wie viele Nagellacke braucht ein Mensch? ;) Okay, vielleicht muss man nicht gleich beim Nagellack anfangen, aber wenn man sich vorher gut überlegt, ob man XY jetzt wirklich braucht, kann man schon einiges an Müll vermeiden.

2. Umweltfreundlichere Drogerieartikel!
Gerade in diesem Bereich erscheint es mir, dass hier viel Müll anfällt. Diese ganzen schönen bunten Plastefläschen und -döschen :) Wer wird da nicht zum Drogerieopfer? Aber in diesem Bereich gibt es auch ganz viele Alternativen: feste Seifen, Shampoos und Cremes (möglichst ohne Umverpackung oder nur in Pappe), Zahnbürsten aus Holz, nachhaltige Hygieneartikel (Menstruationstassen, waschbare Einlagen... und ich habe erst letztlich von der Existenz von Menstruationsschwämmchen erfahren :D). Man kann sich auch selbst Kosmetik zusammenrühren.

3. Unverpackte Lebensmittel kaufen
Nun, hier wirds schon schwieriger. Möglichkeiten wären hier vor allem im Bereich Obst und Gemüse. Das könnte man auf dem Markt einkaufen. Oder man achtet im Supermarkt darauf, nicht unbedingt die eingeschweißten Dinge mitzunehmen. Die Tüten, in die man seine Äpfel packt, kann man wiederverwenden. Noch besser: Man näht sich welche aus Stoff(-resten) - das habe ich demnächst vor. Ich nehme bisher immer welche aus Papier, aber die reißen sehr schnell ein, und bis aus einem Baum eine Papiertüte wird, passiert halt auch eine Menge...

4. Selberkochen schlägt Fertigessen, Restaurant schlägt Imbiss
Einfach gesagt: Je mehr frische und unverarbeitete Lebensmittel man benutzt, desto weniger Müll fällt an. Restaurants verwenden ihr Geschirr meistens wieder (außer es fällt runter ;)), bei Imbissen fliegt es weg. Man kann sich auch sein eigenes Unterwegsgeschirr mitnehmen, gerade was Kaffee-ToGo-Becher betrifft.

Das einfach mal so als Anregungen. Gibt sicher noch viel mehr Möglichkeiten, aber ich will euch auch nicht damit überfrachten. Wie gesagt: Wenn euch das Thema interessiert, sucht euch ein was raus, was ihr ändern wollt. Oder beobachtet erstmal einfach nur, wo in eurem Alltag besonders viel Müll anfällt und vielleicht auch welcher, den ihr relativ einfach vermeiden könnt. Und wenn das etabliert ist, sucht ihr euch das nächste raus... und so weiter :)

Kommentare:

  1. Einfach mal anfangen, statt gleich alles auf einmal ändern zu wollen, ist so wichtig. Danke, dass du das so betont hast. Ich verzweifle da nämlich hin und wieder ein bisschen und falle dann in so eine “Ist doch auch egal“-Haltung zurück.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. Man darf nie vergessen: Auch Kleinvieh macht Mist :D Kumulierte Effekte sind wahrlich nicht zu verachten.

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  2. Schön geschrieben! In der Entwicklung steck ich auch gerade mittendrin. Der nächste kleine Schritt, der am einfachsten umzusetzen ist, sieht halt auch bei jedem anders aus. Ich schwöre ja auf meine lokale Biokiste, die fast müllfrei zu mir kommt. Und die kleinen Erfolge darf man auch gerne feiern, auch wenn's "nur" ein weniger voller Mülleimer ist. :)
    Liebe Grüße
    Janina

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    1. Das kann ich so unterschreiben :)

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    2. Du sprichst mir so aus der Seele. Ich habe eine Weile einige zero-waste Seiten verfolgt und dieses ganz oder gar nicht fand ich auf Dauer sehr demotivierend. Gerade wenn man wenig Geld hat, kommt man oft um verpackte Dinge gar nicht herum. Reduziertes Obst und Gemüse z.B
      wird hier in den Läden immer in Plastiktüten gepackt, auf die der neue Preis kommt oder die tollen Bambuszahnbürsten, die mal eben das zehnfache von billigen aus Plastik kosten.
      Einfach zu schauen, was man machen kann, ich nehme z.B. einen Korb zum Bäcker für die Sonnstagsbrötchen und Organzabeutel für Obst und Gemüse (die waren mal als Verpackung um irgendwas drum, leicht, durchsichtig und waschbar).
      Wenn ganz viele Menschen 20% weniger Abfall produzieren, brongt das uns allen mehr als eine Handvoll, die quasi gar keinen verursachen. :-)

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