Freitag, 21. Juni 2013

Wer bin ich, und wenn ja, warum wie viele? - Innere Teambildung als Möglichkeit zur Lösung komplexer Probleme am Beispiel des Zuckerkonsums

Ja, ein extrem sperriger Titel. Und der Post wird nicht minder gehaltvoll, das kann ich euch schon mal prophezeien. Aber jetzt ist es ja wieder etwas kühler und wir können alle wieder etwas besser denken. Also auf in den Kampf! ;)

Heute schleppe ich mal wieder den Herrn Schulz von Thun heran. Ich habe ja neulich erfahren, dass es Leute gibt, die ihn gar nicht gut finden. Ich war ja entsetzt! Wie kann man Schulz von Thun nicht mögen?!! Aber so ist es im Leben: Was der eine für den Stein der Weisen hält, ist für den anderen nur ein blöder Kiesel, der ihm sinnlos im Weg herumliegt. Wer hat Recht? Ich weiß es nicht. Darum möchte ich euch auch wieder einmal ermutigen, nicht einfach alles zu glauben, was ich hier schreibe, sondern für euch selbst zu prüfen, was sich stimmig anfühlt und was nicht (das sagt der Herr Schulz von Thun übrigens auch selbst!).

Ein Thema, das in seinem Buch "Miteinander reden, Band 3: Das 'Innere Team' und situationsgerechte Kommunikation" ausführlich durchgekaut wird, ist die innere Teambildung. Der Herr Schulz von Thun ist ja Kommunikationspsychologe und daher geht es ihm darum, in diesem Schritt zu einer inneren Klarheit und einer eigenen elaborierten Position zu kommen und diese dann in die Kommunikation mit anderen zu tragen. Ich habe die innere Teambildung aber auch unabhängig von Gesprächssituationen für mich als sehr hilfreich erlebt, gerade wenn es um die Lösung schwieriger und komplexer innerer Probleme und Widersprüche geht. Und darum möchte ich sie heute vorstellen.

Damit es besser verständlich wird, gibt es zur Illustration ein Beispiel: Nehmen wir mal (höchst hypothetisch) an, jemand habe sich auf die Fahnen geschrieben, seinen übermäßigen Zuckerkonsum herunterzuschrauben. Gründe dafür gibt es sicher verschiedene (eine interessante Reportage mit dem Titel "Zeitbombe Zucker" gab es letztens beim NDR, nur falls sich jemand dafür interessiert). So, und trotz bester Absichten, erwischt sich derjenige nahezu täglich beim Naschen und kann es nicht lassen. Ja, was ist denn da los?! Es liegt jetzt nahe, sich selbst als nachlässig und undiszipliniert zu beschimpfen und den Druck zu erhöhen. Nicht mehr in der Nähe vom Süßem aufhalten! Nur noch Salatblätter! Zackzack! Aber das könnte der inneren Realität möglicheriwese nicht gerecht werden und zur Folge haben, dass man doch weiter Süßes mampft und sich dabei mies fühlt. Also vielleicht doch mal genauer hinsehen...

Schulz von Thun sagt, dass innere Widersprüche (oder "Innere Pluralität", wie er es nennt) normal sind und sogar eher die Regel als die Ausnahme. Wir Menschen sind sehr komplexe Wesen, da ist es fast logisch, dass man sowohl das eine, als auch alles andere will oder nicht will. So kommt es dann dazu, dass man verwirrt ist, sich selbst im Weg steht oder Dinge macht, die man eigentlich nicht will - oder doch? Die innere Teambildung entsteht durch eine Teamkonferenz und ist ein Hilfsmittel, um mit solchen Widersprüchen besser fertig zu werden. Sie geht davon aus, dass es keine negativen Impulse gibt, sondern dass alles, was da so in einem los ist, einen Wert hat (siehe auch meine Ausführungen zum Wertequadrat).

Als erstes geht es also darum herauszufinden, welche verschiedenen Werte und Impulse da gerade in einem konkurrieren. Erstmal sieht es so aus, als wären da lediglich zwei Seelen in der Brust (wie bei Goethe). Die eine sagt: "Iss Zucker!", die andere: "Iss keinen Zucker!" Die Motive der zweiten erahnt man vielleicht recht leicht: Es geht einem möglicherweise kurz- und auch langfristig besser. Bei genauerem Hinhören merkt man aber oft recht schnell, dass es meistens noch mehr als zwei sind, die da miteinander rangeln. Folgende "Stimmen" könnte man also identifizieren (also, nicht das wir uns jetzt missverstehen - wenn man wirklich Stimmen hört und nicht gerade unter Menschen ist oder das Radio anhat, ist das was anderes!):

  • "Süßes schmeckt lecker."
  • "Süßes essen macht Spaß, ich fühl mich besser und die Gelüste nach etwas Süßem sind danach weg."
  • "Zucker ist nicht gut fürs körperliche Wohlbefinden und die Gesundheit."
  • "Ich hab mir vorgenommen, weniger Süßes zu essen. Daran will ich mich auch halten."

Es gibt sicher noch ein paar mehr Stimmen, aber ich denke, fürs Erste reicht das. Falls man dann am Ende doch nicht weiterkommt, kann man ja nochmal genauer nachspüren, ob man noch ein paar Stimmen überhört hat. Denn es gibt wie in jedem Team laute und leise Stimmen. Solche, die einfach dazwischenbrüllen, und welche, die erst was sagen, wenn man sie konkret anspricht.

Schulz von Thun empfiehlt nun, diesen "Stimmen" einen Namen zu geben und ein Aussehen, ihre Motive zu ergründen und sie wertzuschätzen. Gleich vier Dinge auf einmal! Aber die sind sinnvoll, denn es führt zu zweierlei: Einmal identifiziert man sich mit seinen Anteilen und stellt fest: "Aha, das bin ich also alles." Und gleichzeitig disidentifiziert man sich mit den einzelnen Teilen, weil man merkt, dass man nicht nur so, sondern gleichzeitig auch ganz anders ist. Und dass jeder Teil für sich okay ist und etwas beizutragen hat. So, gut, kapiert, dann hab ich das also mal exemplarisch versucht. Das sind also die vier Hauptakteure für das Zuckerdilemma:


Bitte kniet nieder vor meinen zeichnerischen Fähigkeiten :D Schon ein bunter Haufen, der sich da versammelt hat. Da haben wir also einmal den Süßen Zahn, dem Süßes einfach gut schmeckt. Das liegt ja auch in unseren Genen, dass wir so auf Süßes anspringen, denn süß = ungefährlich. Die zweite Stimme habe ich Happy Käppi genannt, ohne dass das jetzt einen tieferen Sinn hat. Happy Käppi geht es um Wohlbefinden und gute Laune, und zwar sofort. Analogien aus Alltag und Literatur sind hier der innere Schweinehund oder das innere Kind. Immer geht es bei diesem inneren Persönlichkeitsanteil um die sofortige Befriedigung seiner Bedürfnisse. Man kann hier schon ahnen, dass dieser Teil derjenige ist, der die Zuckerabstinenzpläne eventuell besonders stark sabotiert. Insofern wäre es sinnvoll sein, ihm bei der Lösung des Problems besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dann haben wir noch die Gesundheitsministerin, die aus dem Grund, das sie die rationalen Argumente auf ihrer Seite hat, eine möglicherweise sehr klare und deutliche Stimme im inneren Orchester hat. Last but not least gibt es noch die Zielüberwacherin, der es wichtig ist, gesteckte Ziele einzuhalten. Mit diesen beiden eher vernunftorientierten Anteilen identifiziert man sich in der Regel besonders gern, zumindest wenn man sich gerne als jemanden sehen würde, der vernunftgeleitet ist. In diesem Falle wäre es also wichtig zu merken und anzuerkennen, dass man auch eher "unvernünftige", bedürfnisgeleitete Anteile hat. Diese gehören auch zu einem dazu (Identifikation), machen aber auch nur einen Teil der Gesamtpersönlichkeit aus (Disidentifikation). Und auch diese beiden Teile haben einen Wert: Den Überlebensvorteil (süßer Zahn) sowie das seelische Wohlbefinden und die Konzentration auf die Gegenwart (Happy Käppi). Aber: Jeder hat seine ganz eigene Persönlichkeitsstruktur, so dass bei ein und demselben Ziel bei zwei Menschen ganz verschiedene Akteure auf der inneren Bühne auftreten können.

Man muss diesen Schritt natürlich nicht zwangsläufig zu Papier bringen. Es ist sicher auch eine Möglichkeit, sich die einzelnen Figuren nur vorzustellen oder sie zu benennen. Das Aufmalen kann aber eine ziemlich wirkungsvolle Sache sein und der Aufwand lohnt sich dann vielleicht wenigstens für wichtigere Problemstellungen.

Nun kommt der nächste Schritt, jetzt lassen wir die die einzelnen Akteure erstmal aufeinander los. Das ist deswegen sinnvoll, weil hier die Konflikte zwischen den Anteilen sichtbar werden. Na dann mal los, Freunde:

Süßer Zahn: "Mmmmh, vor allem Schokolade ist ja sooo lecker!"
Gesundheitsministerin: "Aber sie ist schlecht für deine Gesundheit. Für die Zähne und langfristig auch für den ganzen Körper."
Happy Käppi: "Du bist immer sooo ernst und soooo steif, hab doch mal ein bisschen Spaß!"
Gesundheitsministerin: "Ich hab Spaß, aber krank zu sein ist überhaupt nicht spaßig."
Süßer Zahn: "Schokolade ist aber gut fürs Herz UND für die Seele."
Gesundheitsministerin: "Aber nicht der Zucker in der Schokolade. Den braucht niemand, der ist nur schlecht."
Happy Käppi: "Ein bisschen Zucker ab und zu kann doch nicht schaden."
Gesundheitsministerin: "Ab und zu, ja, aber wir reden hier von mehr als 50 Gramm täglich."
Happy Käppi: "Mannomann, deine starren Regeln gehen mir so auf den Geist!"
Zielüberwacherin: "Aber es ist wichtig, sich messbare Ziele zu setzen und diese einzuhalten."
Happy Käppi: "Das klingt sooo nach Arbeit. Können wir nicht einfach stattdessen mal was machen, das Spaß macht?"
Zielüberwacherin: "Ziele zu erreichen MACHT Spaß!"
Süßer Zahn: "... und sie mit Schokokuchen feiern!"
Happy Käppi: "Du sagst es!"

Diese Diskussion ist hier ziemlich friedlich verlaufen. Man merkt, dass Happy Käppi und die Gesundheitsministerin diejenigen sind, die am meisten aneinandergeraten und am hitzigsten diskutieren. Aber trotzdem wirken sie nicht feindselig. Es kann aber auch passieren, dass so eine Diskussion viel heftiger abläuft. Wichtig ist es, sie an dem Punkt zu beenden, wo die Akteure anfangen, sich im Kreis zu drehen, oder es sich hochschaukelt. Wenn klar ist, wer was will und wo die Konflikte liegen, kann man die Diskussion beenden und zum nächsten Schritt übergehen. Jetzt werden die Inhalte der Diskussion zusammengefasst und strukturiert. Um folgende Punkte geht es bei meiner Runde:

    • Wie viel Süßes ist gesund?
    • Was ist mit dem seelischen Wohlbefinden?
    • Wie kann man seine Ziele auf entspannte Art und Weise erreichen?

    Es geht nun also darum, die verschiedenen Motive möglichst gut unter einen Hut zu bekommen. Dafür fühlt man den Teammitgliedern einzeln auf den Zahn, unter welchen Bedingungen sie bereit sind, von ihrer Position abzurücken, und wie weit. Wenn man die einzelnen Anteile angehört hat und sie ernstnimmst, sind sie auch eher bereit, Zugeständnisse zu machen, und stellen sich weniger quer:

    • Inwieweit kann der süße Zahn sich vorstellen, auf Süßes zu verzichten? "Ich möchte nicht nie wieder Süßes essen, das fänd ich doof, dafür ist es viel zu lecker. Aber ich kann damit leben, wenn es nur ab und an etwas gibt, z.B. zu besonderen Ereignissen. Und Kakao gibts ja auch ohne Zucker."
    • Wieviel Ernsthaftigkeit verträgt Happy Käppi? "Ich will natürlich auch, dass es mir auch in zehn Jahren noch gut geht, weil ich ja will, dass es mir *immer* gut geht. Aber wenn ich auf Süßes verzichte, dann will ich nicht einfach leiden, sondern etwas anderes machen, das auch kurzfristig Spaß macht. Und ab und zu was Süßes fänd ich gut."
    • Inwieweit ist die Gesundheitsministerin bereit von ihren strengen Regeln abzuweichen? "Wie gesagt, mit ab und zu was Süßem, z.B. zu besonderen Ereignissen, kann ich gut leben, das wird sicher keine schweren Schäden anrichten. Dann muss man dabei ja auch nicht so sehr darauf achten, wie viel man isst und kann sich auch mal den Bauch mit Süßem vollschlagen."
    • Und was denkt die Zielüberwacherin, wie weit würde sie mitgehen, wenn es um das Thema Lockerlassen geht? "Mit ein paar Ausnahmen hab ich sicher kein Problem. Und auch nicht damit, die Ziele so zu stecken, dass sie für alle gut erreichbar sind, und sie dann entsprechend zu feiern. Aber nicht unbedingt mit etwas Süßem."

    Wie so oft zeigt sich: Gemeinsam ist man schlauer als jeder für sich. So, und darum werden die einzelnen Standpunkte zu einem hoffentlich harmonischen Ganzen integriert. Das könnte dann so aussehen:

    • Im Alltag gibt es außer Obst nichts Süßes, zu besonderen Gelegenheiten ist es aber erlaubt. Bei denen muss man dann auch nicht darauf achten, wie viel man isst. Besondere Gelegenheiten sind: Geburtstagsfeiern, Feiertage wie Ostern, Halloween oder Weihnachten, Urlaub (Einschränkung hier: ein Tag pro Woche). Wenn man nicht wöchentlich auf zehn Feiern geht, passt das ganz gut so, denke ich ;)
    • Man könnte darauf achten, was einem außer Süßem zu essen noch kurzfristig Freude bereitet. Dazu kann man sich z.B. immer dann eine Notiz machen, wenn man etwas gemacht habe, bei dem man sich gut gefühlt hat. Bloggen beispielsweise ;) Solche Dinge kann man dann auch möglichst oft machen, nicht erst, wenn der Süßhunger kommt.
    • Das Ziel, das man sich setzt, sollte gut erreichbar sein. Hilfreich ist es dabei oft, wenn das Ziel positiv formuliert ist, wenn man es als Experiment betrachtet, mit anderen darüber spricht und es nicht zu weit in der Zukunft liegt.Vielleicht probiert man es erstmal für ein paar Tage.
    • Wenn man das Ziel erreicht hat, wird ich das feiern, allerdings nicht mit was Süßem ;) Vielleicht gibt es etwas anderes Schönes, das man sich kaufen möchte. Nun bin ich nicht so der größte Fan von externen Belohnungen, weil es möglicherweise den Fokus von den eigentlichen positiven Konsequenzen weglenkt. Aber ich denke, für den Anfang ist das schon okay so. Es geht ja auch nicht darum, eine perfekte Lösung zu finden (wenn es die überhaupt gibt), sondern eine für einen selbst stimmige.

    Vielleicht habt ihr jetzt ja auch Lust bekommen, die Teamkonferenz mal für eine Sache bei euch auszuprobieren, bei der ihr euch unsicher seid, wie ich euch entscheiden sollt, oder euch gefühlt im Kreis dreht. Ich fass die einzelnen Schritte daher nochmal zusammen:

    1. Teammitglieder identifizieren: Wer spricht da alles? Wie heißen sie? Wie sehen sie aus?
    2. Jedes Mitglied einzeln anhören: Was haben sie zu sagen? Was sind ihre Motive? Was ist ihr Wert?
    3. Diskussion zwischen den Mitgliedern zulassen und ggf. rechtzeitg beenden
    4. Strukturieren der Inhalte der Diskussion und Konflikte bzw. Ziele herausarbeiten
    5. Teammitglieder danach befragen, welche Möglichkeiten sie für sich sehen, die Konflikte zu bewältigen und die Ziele zu erreichen
    6. Die Überlegungen zu einer Lösung integrieren.

    Bitteschön! :)

    Kommentare:

    1. Ich muss sagen, das war im wahrsten Sinne des Wortes ein süßer Post. ;) Deine Akteure sind wirklich niedlich und verdeutlichen das Problem denke ich gut.
      Da ich ja selbst wegen meiner Fruktosemalabsorption nicht nur auf herkömmlichen Haushaltszucker, sondern auch auf vermeintlich "gesundes Obst und Gemüse" verzichten muss ist mir die Problematik natürlich auch schon bekannt und ich habe selbst so meinen Kampf damit gehabt. Vor allem der Anfang war für mich extrem schwer, aber nicht nur/hauptsächlich wegen des Süßkrams, sondern eben auch/vorwiegend wegen des Grünzeugs und weil ich es, meines eigenen Wohlbefindens zuliebe, eben möglichst alles auf einmal umsetzen musste. Dem voll-tragenden Brombeerstrauch in unserem Garten nicht wenigstens mal ab und zu ein Beerchen klauen zu können um den Appetit auf Süßes zu stillen war schon ganz schön heftig und wenn dass alle um mich herum mir fleißig was "vorgefuttert" haben hat auch nicht unbedingt geholfen, von Situationen, in denen es keine andere Möglichkeit gab (Einladung) mal ganz zu schweigen.

      Mit der Zeit hab ich mich glücklicherweise daran gewöhnt und mittlerweile, knapp 11 Monate im Trott, ist es für mich deutlich leichter geworden. Klar habe ich noch mal gelegentlich Lust auf was Süßes oder Obst und die Brombeeren werden es mir in absehbarer Zeit auch wieder nicht leicht machen, weil ich sie einfach zu gerne gegessen haben, aber im Großen und Ganzen schmachte ich anderer Leute Essen nicht mehr so an. Ich habe mich einfach daran gewöhnt, es nicht zu essen, und habe mir, wie du mit dem Obst, wenigstens durch selbstgemachte Sachen mit Traubenzucker ggf. Alternativen geschafft und neulich sogar fruktosearme Schokolade mit Traubenzucker gefunden, von der ich gelegentlich bei akutem Bedarf mal ein Stückchen naschen kann. Positiver Nebeneffekt: jedes Mal, wenn ich etwas neues ausprobiere und vertrage freue ich mich wie eine Schneekönigin über die kleinste Erweiterung meines Speiseplans.

      Eine ganz starke Stimme war für mich damals deshalb auch die, die gesagt hat, dass ich weiß, dass es mir von sowas schlecht gehen wird, und einfach ganz klar gesagt hat, dass es kein Lebensmittel der Welt wert ist, dafür Schmerzen zu leiden. (Zugegeben ein Punkt, der so auf dich wohl nicht zutrifft. ;)) Damit hat sie dann natürlich auch alle anderen Stimmen irgendwie zwangsweise mundtot gemacht, weil dagegen dann eben doch nicht so wirklich anzukommen ist, aber trotzdem waren die Lust etc. natürlich da. Sagen wir's also mal so: leicht ist es nicht, aber es geht und mit der Zeit wird es immer einfacher und selbstverständlicher. (Deinen salat-fressenden Hasen finde ich also auch sehr knuffig und schätze ihn als ganz hilfreich ein.)

      Übrigens: auch wenn der Verzicht auf Süßigkeiten natürlich ein legitimer und erstrebenswerter Ansatz ist, zuckerfrei ist nochmal was anderes, Zucker ist leider nicht nur in Süßigkeiten enthalten. (Ich möchte übrigens ausdrücklich nicht unterstellen, dass dir das nicht bewusst sei, ich halte dich sicher nicht für doof. ;)) Auch wenn man von natürlichem Fruchtzucker absieht, in sooo vielen Lebensmitteln findet sich Zucker, wo man ihn erstmal überhaupt nicht erwarten oder zumindest nicht unbedingt brauchen würde, es ist ja nicht mehr feierlich. Mir war zwar schon vor meinem zwangsweisen Verzicht bewusst, dass die Industrie gerne und viel Zucker nutzt, aber seitdem ich darauf angewiesen bin, jede Packung umzudrehen und genau zu studieren fällt mir erst richtig auf, wo überall Zucker oder der angeblich ja noch schlimmere Fruktosesirup (oder high-fructose corn syrup besonders in den USA) reingepanscht wird. Bei Süßigkeiten ist es ja noch logisch, aber bei herzhaften Dingen wie Schinken oder Brot kann ich es oft einfach nicht nachvollziehen und halte es für unnötig, da bei der Auswahl Schwierigkeiten haben zu müssen. Wie oft bin ich nur mit der Hälfte dessen, was auf meinem Einfkaufszettel stand, heimgekommen, weil ich zumindest dort, wo ich einkaufen war, keine verträgliche Variante gefunden habe...

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      1. Hey, danke für deinen ausführlichen Kommentar :) Fructosemalabsorption klingt auf alle Fälle nochmal eine ganze Ecke härter als mein freiwilliger Zuckerverzicht. Gut, dass du dich damit offensichtlich inzwischen arrangiert hast.

        Mir ging es insbesondere darum, die anderen Stimmen eben nicht mundtot zu machen, weil die zumindest bei mir die Tendenz haben, dann im Untergrund rumzustänkern und meine Pläne wider alle Vernunft zunichte zu machen. Selbst wenn eine Stimme sehr gute Argumente hat, ist es für mich wichtig, auch die anderen zu Wort kommen zu lassen und auf sie einzugehen.

        Und ja, zuckerfrei ist was anderes als nur auf Süßkram zu verzichten. Ich achte aber auch drauf, dass ich sonst nicht unnötig Zucker zu mir nehme. Ich kaufe hauptsächlich eher naturbelassene Lebensmittel, z.B. Naturjoghurt, nehme statt Ketchup Tomatenmark, usw. Und im Bioladen ist die Zuckerdichte doch deutlich geringer als im Supermarkt, z.B. bei Konserven. Aber es ist schon spannend, wo überall Zucker drin ist. Und bis zum Letzten bin ich dann doch nicht konsequent und ess dann doch hin und wieder auch mal Senf oder Mayonnaise, ohne es mir anzukreiden.

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    2. Dankeschön :]

      Der Hase ist eine tolle Idee, ich schreibe nur schnöde in meinem Kalender herum [Jaha, bin letzte Woche trotz Hitze wieder geradelt und morgen geht es weiter ;) ]

      Ein interessanter Post!

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